Vom Talbrunnen
English Cocker Spaniel aus jagdlicher Zucht
Mitglied im Jagdspaniel-Klub e. V.

Hundezucht ist eine faszinierende Angelegenheit, jedoch sollte man sich als Züchter immer bewusst sein, dass dabei Lebewesen entstehen, für die man lebenslang die Verantwortung trägt. Jeder Züchter ist natürlich bemüht, gesunde und schöne Hunde zu züchten und wir Jagdlichen müssen dabei auch noch beachten, dass der Hund seiner zukünftige Aufgabe als Jagdhund gerecht wird. Will man alles richtig machen, so hat man eine ganze Menge zu bedenken.
Zunächst einmal muss der zu meiner Hündin passende Rüde gefunden werden. Natürlich bin ich wie jeder Züchter im Jagdspaniel-Klub an bestimmte Grundvoraussetzungen gebunden, wie sie in unseren Zucht- und Eintragungsbestimmungen aufgeführt sind. Darüber hinaus aber bin ich weniger daran interessiert, ob der Rüde nun ein hochprämierter Schau- oder Prüfungssieger ist, oder ob er meiner Meinung nach „nur“ gute jagdliche Anlagen hat. Denn es ist zwar sehr schön, wenn er ein attraktives Aussehen vererbt, aber was hilft das, wenn er nicht genügend Jagdpassion besitzt? Auch ein Rüde, der alle Prüfungen hochdotiert abgelegt hat, ist bestimmt verlockend, aber letztlich verdankt er doch viele seiner Erfolge seinem talentierten Führer und Ausbilder.

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Ist nun also nach vielen Überlegungen der Richtige gefunden, hat alles geklappt und sind die Welpen geboren, so kann ich meine Bestrebungen, die Welpen möglichst optimal zu fördern, erst einmal hinten an stellen.

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Denn in den ersten drei Wochen ist es meinen Welpen ziemlich egal, ob sie einmal Jagdhunde werden sollen oder nicht. Sie trinken, schlafen und werden in ihrer warmen trockenen Wurfkiste von ihrer Mutter gepflegt. In dieser Zeit gilt meine Hauptsorge meiner Hündin, die - sofern sie gesund und gut gehalten ist - die gute Pflege an ihre Kinder weitergibt.
Doch Hundewelpen entwickeln sich rasend schnell und ab der vierten Woche finde ich es für die Kleinen äußerst wichtig, ihren „Horizont“ zu erweitern und möglichst viele Erfahrungen zu machen. Je mehr Möglichkeiten ich den Welpen jetzt biete, desto klüger und lernfähiger werden sie später einmal werden. Dies ist in meinen Augen die große Verantwortung eines Züchters, der es damit in der Hand hat, seinen Welpen den Start in ein langes fröhliches Hundeleben so einfach zu machen, wie nur möglich. Das heißt nicht, dass man seine Welpen vor allen schlechten Einflüssen abschirmen muss, im Gegenteil, sie müssen gute und schlechte Erfahrungen machen
Ganz wichtig ist, dass die Welpen spätestens jetzt regelmäßig auch ins Freie kommen. Sie brauchen für ihre Entwicklung den Kontakt mit Erde, Gras, Laub, Wasser und Sonne. So haben die Kleinen einen richtigen Abenteuerspielplatz im Garten, der ihnen möglichst viel Abwechslung bietet.
Meine Welpen haben sowohl Gras als auch Holz und Steinboden, dann gibt es den hohlen Baumstamm und alte Schaffelle, auf denen sie gerne auch schlafen, denn sie schützen wunderbar von unten her gegen die Bodenkälte. Ein kleines Wasserbecken etwa 10 cm hoch mit Wasser gefüllt und halbierte hohle Baumstämme zum Klettern runden das Programm ab. Außerdem gibt es einen Zugang zum Gartenhaus, in dem es auch bei regnerischem Wetter warm und trocken ist.

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Für die Förderung der jagdlichen Anlagen gibt es jetzt auch schon viele Möglichkeiten. Ein Hasenfell an der Reizangel fördert den Beutetrieb ungemein, kleine Futterschleppen trainieren den Naseneinsatz und die Konzentration. Ab der siebten Woche geht es ins Revier, wo die kleine Meute ihre Wasserfreude an einem kleinen Bach testen kann, wo sie zum ersten Mal etwas unwegsameres Gelände kennen lernt und so ganz nebenbei an das Autofahren gewöhnt wird. Man lernt dort, dass Brennesseln brennen und dass man schwimmen muss, wenn man sich zu weit ins Wasser wagt.

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Die kleinen Hunde üben sich beim Spielen mit ihren Geschwistern und allem, was sie sonst noch zum Spielen finden, darin, ihre bisher erlernten Fähigkeiten zu perfektionieren – und das geht einfach unglaublich schnell. Nachdem die Welpen begriffen haben, dass ihre Mutter nicht nur eine wandelnde Milchflasche ist, spielt sie jetzt auch sehr gerne mit ihnen und trägt damit ihren Teil zu einem richtigen Sozialverhalten der Hundekinder bei.
Um ein normales artgerechtes Sozialverhalten zu entwickeln, benötigt ein Welpe die entsprechenden Umweltsignale. Die sozialen Gesten an sich, z.B. Drohgebärden oder Unterwerfung sind dem Hund zwar angeboren, die Fähigkeit jedoch, diese bei Sozialpartnern zu erkennen und darauf korrekt zu antworten aber nicht. Genau dieses Lernen wird als Sozialisation bezeichnet.

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So nehmen Kampfspiele bei Welpen einen großen Raum ein. Es kommen hier fast alle Einzelheiten des Ernstkampfes zum Vorschein: Aufstellen, Anspringen, das Halsbeißen bei gleichzeitigem Nieder- drücken und der Rückenbiss mit Umwerfen des Gegners, das Abwehrstemmen des gestürzten Tieres, um sich den Gegner vom Leib zu halten, und natürlich das Flüchten und Verfolgen. Dies alles geschieht spielerisch, aber damit lernen die kleinen Hunde das richtige Verhalten im Ernstfall

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Auch die Beißhemmung müssen die Welpen lernen. Sie lernen, dass es dumme Folgen hat, wenn sie ihre Zähne zu stark in die Haut ihrer Geschwister bohren: Diese werden schreien, eventuell zurückbeißen und/oder das Spiel beenden. Es ist nicht nett, gebissen zu werden und es ist auch nicht schön, wenn auf einmal niemand mehr mit einem spielt – so lernt der Welpe sehr schnell, seine Zähne vorsichtiger einzusetzen.

Auf jeden Fall gilt: milder Stress ist wichtig für die Entwicklung und wer seine Welpen in Watte packt und ihnen jede negative Erfahrung erspart, gibt ihnen keinen guten Start ins Leben mit.
Wenn man sich die Entwicklungsschritte der Welpen vor Augen hält, so wird klar, dass Welpen richtig und verantwortungsvoll aufziehen für den Züchter heißt, jeden dieser Schritte aktiv einzuleiten und daran teilzuhaben.
Selbstverständlich ist für einen Hund, der in der Familie lebt, der Kontakt zum Menschen in der Sozialisationsphase genauso wichtig wie zu den Wurfgeschwistern.
Denn das Fenster der Sozialisationsphase schließt sich mit der zwölften bis vierzehnten Woche unwiderruflich.
Welpen, die in diesem Alter fast ausschließlich unter erwachsenen Hunden und ihren Geschwistern gehalten werden, können sicherlich ein gutes Sozialverhalten gegenüber Artgenossen entwickeln, aber der Kontakt zum späteren Besitzer wird niemals so eng werden, wie bei Welpen, mit denen sich der Züchter ausgiebig befasst.
Umgekehrt werden Welpen, die durch einen unglücklichen Zufall zu früh von Mutter und Geschwistern getrennt werden, und dann auch noch zu behütet und ohne Kontakt zu anderen Hunden aufgezogen werden, vermutlich große Probleme haben, das korrekte Sozialverhalten zu erlernen.

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Bei der Aufzucht meiner Welpen bin ich daher bemüht, all die genannten Gesichtspunkte zu berücksichtigen, damit sie so die allerbesten Voraussetzungen mitbringen, einmal gleichermaßen zu einem liebenswerten und voll integrierten Familienmitglied wie auch zu einem brauchbaren Jagdkameraden zu werden.